Kastration von Hunden und Katzen

Die Kastration ist die chirurgische Entfernung der Keimdrüsen (Gonaden). Beim weiblichen Tier sind dies die Eierstöcke, beim männlichen Tier die Hoden.
Im Gegensatz dazu werden bei einer Sterilisation lediglich der Ei – bzw. Samenleiter durchtrennt (siehe Humanmedizin). Da die Keimdrüsen nicht mit entfernt werden und weiterhin Hormone produzieren, ändert sich durch eine Sterilisation am Geschlechtsverhalten der Tiere nichts. Auch Läufigkeitssymptome treten weiterhin auf, es kann lediglich keine Trächtigkeit mehr entstehen. Dieses unveränderte Geschlechtsverhalten ist bei Haustieren in der Regel unerwünscht und eine Sterilisation daher absolut unüblich. Im Volksmund werden diese Ausdrücke leider immer noch falsch verwendet.
Für freilaufende Katzen und Kater ist die Kastration gesetzlich vorgeschrieben.

Vorteile und Nachteile der Kastration

Vorteile

  •  Es ist keine Vermehrung mehr möglich, dadurch kann sich das Tier ganzjährig frei bewegen (Hunde in Rudelhaltung, in der Hundeschule,…, Katzen mit Freigang).
  •  Bei Katzen: die Tiere haben einen geringeren Bewegungsradius und die Tiere laufen in der Regel nicht mehr so weit vom Haus weg. Dadurch besteht eine geringere Gefahr von Autounfällen, Raufereien und Revierkämpfen. Außerdem verringert sich die Ansteckungsgefahr für das Feline Immunschwäche Virus (FIV), welches unter anderem beim Geschlechtsakt übertragen wird. Der kastrierte Kater markiert i.d.R. nicht in der Wohnung, die kastrierte Kätzin wird nicht mehr rollig. Für freilaufende Katzen und Kater ist die Kastration gesetzlich vorgeschrieben, um ungewollte Trächtigkeiten zu verhindern.
  • Bei Hunden: die Gefahr von Prostatavergrößerungen (benigne Prostatahyperplasie) ist stark reduziert, auch eitriger Gebärmutterentzündung (Pyometra), sowie Brustkrebs im Alter (bei Kastration vor der 2. Läufigkeit), treten seltener auf. Bei Hündinnen bleibt die Läufigkeit aus und die Gefahr einer Scheinträchtigkeit wird minimiert.

Nachteile

  • Bei Hündinnen kann es durch die hormonelle Veränderung zur Erschlaffung des Beckenbodens und dadurch zur Harninkontinenz kommen. Eine höhere Neigung dazu haben vor allem größere Hunde über 20 kg, wie z.B. Boxer, Rottweiler, Riesenschnauzer und Dobermann.
  • Bei langhaarigen Hunden mit glänzendem Deckhaar (z.B. Irish Setter, Spaniel, Langhaardackel) kann es nach der Kastration zu übermäßigem Wachstum der Wollhaare („Babyfell“) oder zu symmetrischem Haarausfall in der Flankengegend kommen.
  • Häufigeres Vorkommen von Prostatkrebs bei kastrierten Rüden.
  • Manche Hunden und Katzen beiderlei Geschlechts zeigen nach der Kastration übermäßigen Appetit und neigen zur Gewichtszunahme. Hier ist vor allem der Besitzer gefragt, einer übermäßigen Futteraufnahme vorzubeugen.
  • Die Kastration angstaggressiver Hunde kann zu einer Verschlimmerung der Symptomatik führen. Daher ist die Kastration nicht das Mittel der Wahl bei Aggressionen, sondern sollte nur individuell fachtierärztlich empfohlen werden.
  • Bei Kastrationen vor Erreichen des „Erwachsenenalters“ können die Tiere ihre geistige und körperliche Reife nicht vollständig erhalten

Der richtige Zeitpunkt

Katzen und Kater 

Der beste Zeitpunkt für eine Kastration ist im jungen „Erwachsenenalter“, das ist bei Katzen und Katern im Alter zwischen 6 und 9 Monaten. Es bietet sich an, die erste Rolligkeit bzw. das erste Harnmarkieren abzuwarten. Hierbei muss allerdings zwingend verhindert werden, dass die Geschlechtsreife „übersehen“ wird und eine ungewünschte Fortpflanzung erfolgt. 

Hündin 

Die erste Läufigkeit tritt – abhängig von der Körpergröße der Hündin – in der Regel im Alter von etwa 9 Monaten bis 1,5 Jahren auf. Der Eintritt der Geschlechtsreife darf jedoch nicht mit dem Abschluss der Juvenilität, also dem Erreichen des körperlichen und geistigen Erwachsenenalters, gleichgesetzt werden. Insbesondere großwüchsige Hunderassen sind mitunter erst im Alter von 2 bis 2,5 Jahren vollständig ausgewachsen. 

Das Risiko, an hormonabhängigen Mammatumoren zu erkranken, ist bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit am geringsten. Dieser theoretische Vorteil geht jedoch mit mehreren Nachteilen einher. Der bedeutendste ist ein potenziell verzögerter Schluss der Wachstumsfugen, da deren Schließung maßgeblich durch den Einfluss der Geschlechtshormone erfolgt. Betroffene Hündinnen können ihre Wurfgeschwister deutlich an Größe überragen; zudem treten orthopädische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen häufiger auf. 

Auch bei einer Kastration nach der ersten Läufigkeit ist das Mammatumorrisiko noch deutlich reduziert. Nach der zweiten Läufigkeit besteht weiterhin ein verminderter Schutzeffekt, während ab der dritten Läufigkeit der Zeitpunkt der Kastration keinen relevanten Einfluss mehr auf die Entstehung von Mammatumoren hat. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass eine Kastration vor dem ersten Lebensjahr bei bestimmten Hunderassen mit einem erhöhten Risiko für andere Krebserkrankungen sowie Gelenkprobleme verbunden sein kann. Unter Berücksichtigung der Gesamtsituation ist es daher in den meisten Fällen empfehlenswert, mindestens die erste Läufigkeit abzuwarten. 

Eine Kastration während der Läufigkeit sollte aufgrund der erhöhten Blutungsneigung vermieden werden. Der optimale Zeitpunkt für den Eingriff liegt etwa 2,5 bis 3 Monate nach dem Ende der Läufigkeit. 

Rüde 

Rüden erreichen die Geschlechtsreife ebenfalls abhängig von ihrer Körpergröße, in der Regel im Alter zwischen etwa 9 Monaten und 1,5 Jahren. Mit dem Eintritt der Geschlechtsreife ist eine Kastration aus medizinischer Sicht grundsätzlich möglich. Auch hier darf der Eintritt der Geschlechtsreife jedoch nicht mit dem Abschluss der Juvenilität, also dem Erreichen des körperlichen und geistigen Erwachsenenalters, gleichgesetzt werden. Rüden benötigen in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung im Vergleich zu Hündinnen derselben Rasse in der Regel etwa 3 bis 6 Monate länger. Insbesondere Rüden großwüchsiger Rassen sind mitunter erst im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren vollständig ausgewachsen. 

Eine Kastration ist jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt in der Regel problemlos möglich; es ist grundsätzlich nie „zu spät“ für einen solchen Eingriff. 

Wichtig: Die Annahme, dass eine Hündin oder Kätzin vor der Kastration einmal Welpen bekommen „sollte“, ist ein Mythos und medizinisch nicht begründet. 

Methoden

Die Kastration erfolgt bei allen Tieren in Vollnarkose.
Sie dauert zwischen 15 Minuten (Kater) und ungefähr 1-1,5 Stunden (endoskopische Kastration der Hündin) und das Tier kann am selben Tag wieder nach Hause gehen.

Männliche Tiere: Rüde und Kater

Über einen Hautschnitt werden beide Hoden entfernt.
Der Schnitt wird beim Rüden anschließend vernäht, beim Kater ist das nicht erforderlich.

Weibliche Tiere: Hündin und Katze

Die Kastration weiblicher Tiere ist aufwändiger, weil die Eierstöcke innerhalb der Bauchhöhle liegen und diese daher eröffnet werden muss.

„Herkömmliche“ Kastration

Diese erfolgt über einen Schnitt genau in der Mittellinie vom Nabel nach hinten in Richtung Schambein. Der Schnitt ist in Abhängigkeit von der Größe des Tieres zwischen 2 und 8 cm lang.

Durch diesen Schnitt werden beide Eierstöcke entfernt.

Studien haben gezeigt, dass die Entfernung der Gebärmutter bei gesunden Tieren, sofern sie keine Veränderungen aufweist, keinen Vorteil bringt. Die Entfernung der Eierstöcke ist völlig ausreichend, um den Geschlechtszyklus zu unterbinden. Die verbleibende Gebärmutter bildet sich auf kaum wahrnehmbare Größe zurück. Entzündungen der Gebärmutter oder Gebärmutterkrebs kommen nach vollständiger Entfernung der Eierstöcke so gut wie niemals vor. Ist die Gebärmutter jedoch stark verändert, wird sie im Zuge der Kastration vollständig entfernt.

Abschließend werden die Bauchdecke, die Unterhaut und die Haut wieder vernäht.

Da das Gewebe erst wieder verheilen muss, soll das Tier danach für ca. 2 Woche ruhig gehalten werden. Für die Hündin bedeutet dies strikten Leinenzwang und eine Katze sollte im Haus/ Wohnung gehalten werden. Ein Schleckschutz (Body oder Halskragen) ist meist erforderlich, damit das Tier nicht an der Naht schlecken kann.

Endoskopische Kastration

Für die Hündin bieten wir seit ca. 15 Jahren als Alternative zur herkömmlichen Operationsmethode die endoskopische Kastration an. Dabei handelt es sich um eine minimalinvasive Operationsmethode („Knopfloch – Chirurgie“), für die wir nur sehr kleine Zugänge von wenigen Millimetern in die Bauchhöhle benötigen.

An eine Hochleistungskamera angeschlossenes Endoskop ermöglicht uns, die Operation durchzuführen. Mit Hilfe von speziellen elektrochirurgischen Instrumenten werden Blutgefäße verschlossen. Die Eierstöcke werden abgetrennt und anschließend durch ein ca. 5-10 mm großes Loch in der Bauchdecke entfernt. Es bleibt kein Fremdmaterial (wie zum Beispiel Fadenreste) in der Bauchhöhle.

Die endoskopische Kastration ist durch die minimale Invasivität eine besonders schonende Operationstechnik. Geringere Schmerzen und die kürzere Operationsdauer ermöglichen eine besonders rasche Erholung. Die Infektionsgefahr bei einer endoskopischen Kastration ist wesentlich geringer als bei der herkömmlichen Kastration. Die Verwendung eines Halskragens kann in der Regel vermieden werden. Eine normale Belastung ist bereits nach wenigen Tagen wieder möglich.

Das längerfristige Ergebnis ist bei der klassischen und der endoskopischen Kastrationsmethode dasselbe, mit allen Vor- und Nachteilen. Der Unterschied liegt im Komfortgewinn für Hündin und Besitzer in den ersten beiden Wochen nach der Operation. Die Vorteile der endoskopischen Kastration sind umso größer, je größer und schwerer der Hund ist. Daher entscheiden sich fast alle Besitzer großer Rassen für die endoskopische Kastration ihrer Hündin.

Quellen
  • Kastration der Hündin, neue und alte Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen. Arlt S., Wehrend A., Reichler I.M. Tierärztl. Prax. 2017; 45 (K): 253-263
  • Kastration – das Für und das Wider aus veterinärmedizinischer Sicht. Schäfer-Somi S. Vortrag. Dogs Professional 23.02.2020.
Mag. Irene Poltura

Mag. Irene Poltura

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