Die endoskopische Kastration der Hündin ist eine minimalinvasive Operationsmethode, welche in den letzten Jahren optimiert wurde. Dabei benötigen wir nur sehr kleine Zugänge von wenigen Millimetern in die Bauchhöhle. Ein an eine Hochleistungskamera angeschlossenes Endoskop ermöglicht uns, die Operation durchzuführen. Mit Hilfe von speziellen Instrumenten werden Blutgefäße verschlossen. Die Eierstöcke werden abgetrennt und anschließend durch ein ca. 5-10 mm großes Portal entfernt.
Endoskopische Kastration der Hündin
Vorteile der endoskopischen Kastration
Die Eierstöcke können durch diese endoskopische Technik besonders schonend entfernt werden. Es bleibt kein Fremdmaterial (wie z.B. Fadenreste) in der Bauchhöhle. Weniger Schmerzen und eine kurze Operationsdauer ermöglichen eine besonders rasche Erholung. Die Infektionsgefahr bei einer endoskopischen Kastration ist wesentlich geringer als bei einer herkömmlichen Kastration. Die Verwendung eines Halskragens kann in der Regel vermieden werden. Eine normale Belastung ist bereits nach wenigen Tagen wieder möglich.
Der richtige Zeitpunkt
Die erste Läufigkeit tritt – abhängig von der Körpergröße der Hündin – in der Regel im Alter von etwa 9 Monaten bis 1,5 Jahren auf. Der Eintritt der Geschlechtsreife darf jedoch nicht mit dem Abschluss der Juvenilität, also dem Erreichen des körperlichen und geistigen Erwachsenenalters, gleichgesetzt werden. Insbesondere großwüchsige Hunderassen sind mitunter erst im Alter von 2 bis 2,5 Jahren vollständig ausgewachsen.
Das Risiko, an hormonabhängigen Mammatumoren zu erkranken, ist bei einer Kastration vor der ersten Läufigkeit am geringsten. Dieser theoretische Vorteil geht jedoch mit mehreren Nachteilen einher. Der bedeutendste ist ein potenziell verzögerter Schluss der Wachstumsfugen, da deren Schließung maßgeblich durch den Einfluss der Geschlechtshormone erfolgt. Betroffene Hündinnen können ihre Wurfgeschwister deutlich an Größe überragen; zudem treten orthopädische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen häufiger auf.
Auch bei einer Kastration nach der ersten Läufigkeit ist das Mammatumorrisiko noch deutlich reduziert. Nach der zweiten Läufigkeit besteht weiterhin ein verminderter Schutzeffekt, während ab der dritten Läufigkeit der Zeitpunkt der Kastration keinen relevanten Einfluss mehr auf die Entstehung von Mammatumoren hat. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass eine Kastration vor dem ersten Lebensjahr bei bestimmten Hunderassen mit einem erhöhten Risiko für andere Krebserkrankungen sowie Gelenkprobleme verbunden sein kann. Unter Berücksichtigung der Gesamtsituation ist es daher in den meisten Fällen empfehlenswert, mindestens die erste Läufigkeit abzuwarten.
Eine Kastration während der Läufigkeit sollte aufgrund der erhöhten Blutungsneigung vermieden werden. Der optimale Zeitpunkt für den Eingriff liegt etwa 2,5 bis 3 Monate nach dem Ende der Läufigkeit.
Operationstechnik
Studien haben gezeigt, dass die Entfernung der Gebärmutter bei gesunden Tieren keinen Vorteil mit sich bringt. Die Entfernung der Eierstöcke ist völlig ausreichend, um den Geschlechtszyklus zu unterbinden. Die verbleibende Gebärmutter bildet sich auf kaum wahrnehmbare Größe zurück. Entzündungen der Gebärmutter oder Gebärmutterkrebs kommen nach Entfernung der Eierstöcke so gut wie niemals vor. Ist die Gebärmutter jedoch stark verändert, muss sie zusätzlich vollständig entfernt werden.
Bei der Sterilisation werden lediglich die Eileiter durchtrennt. Am Geschlechtszyklus ändert sich dadurch nichts. Es kommt zur Läufigkeit die jedoch nicht zur Befruchtung führen kann. Im Gegensatz zum Menschen kommt es bei der Sterilisation bei Hündinnen sehr oft zu lebensbedrohlichen Erkrankungen der Gebärmutter und der Eierstöcke (Gebärmutterentzündung, Zystenbildung). Daher ist die Sterilisation kontraindiziert und eine Entfernung der Eierstöcke ist angezeigt.
Kontraindikation
Bei einer hochgradigen Gebärmutterentzündung oder bei Vernarbungen in der Bauchhöhle ist eine laparoskopische Kastration nicht möglich. Eine herkömmliche Eröffnung der Bauchhöhle ist in solchen Ausnahmefällen unabdingbar.
Mag. Christiane Pernkopf
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