Unter der Dilatativen Kardiomyopathie (DCM) versteht man eine Herzmuskelschwäche, welche zu einer verringerten Pumpleistung und einer Herzvergrößerung führt. Dabei wird eine Jugendform (< 1 Jahr) und eine Altersform (> 2 Jahre) unterschieden. Die Jugendform kommt vornehmlich beim Portugiesischen Wasserhund und beim Dobermann vor.

Während die Dilatative Kardiomyopathie in den meisten Fällen wohl eine genetische Ursache hat, können in manchen Fällen auch Mangelsituationen (Taurinmangel, Caritinmangel, Eiweißmangel), eine Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Herzrhythmusstörungen oder entzündliche Veränderungen zum gleichen Erscheinungsbild führen. In diesem Fall spricht man von einer sog. Sekundären Dilatativen Kardiomyopathie.

Am häufigsten kommt die Dilatative Kardiomyopathie sicherlich bei Dobermann, Deutscher Dogge, Irischer Wolfshund, Neufundländer und Boxer vor. Bei diesen Hunden ist auch die Erblichkeit genauer untersucht worden. Als einzige kleinere Hunderasse ist der Cockerspaniel betroffen.

Je nach mikroskopischem Aussehen des Herzmuskels kann man 3 Typen der Erkrankung unterscheiden, welche bei den verschiedenen Rassen vorkommen können.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Verlaufsformen:

  1. Stauungsform: Dabei führt die Muskelschwäche und Vergrößerung des Herzens letztendlich zu Stauungserscheinungen (meist “Wasser in der Lunge”) Durch die Dehnung des linken Herzens wird auch die Mitralklappe undicht (angeblich ist diese Undichtheit dann zentral in den Vorhof gerichtet – dem widersprechen allerdings sowohl Logik, pathoanatomische Kenntis und Erfahrung).
  2. Elektrische Verlaufsform: Hier stehen Herzrhythmusstörungen im Vordergrund. Diese Form kann zum plötzlichen Herztod führen.
  3. Mischform: Bei Patienten mit elektrischer Verlaufsform kann es später zu Stauungserscheinungen und Lungenödem kommen.

Krankheitszeichen: Anfänglich spielen sich die krankhaften Veränderungen nur auf Zellebene ab, der Patient erscheint noch nicht krank. In dieser Phase kann die Erkrankung nicht diagnostiziert werden. In der subklinischen Phase sind sowohl die elektrische Verlaufsform (EKG) als auch die Stauungsform (Ultraschall) erkennbar, obwohl dem Besitzer noch keine Krankeitszeichen auffallen. Die Veränderungen im Ultraschall sind dabei meist noch relativ gering. Gerade den elektrischen Veränderungen kommt in dieser Erkrankungsphase eine besondere Bedeutung zu, da bei Überschreiten einer gewissen Anzahl von Extrasystolen bei bestimmten Rassen mit einem deutlich erhöhten Risiko eines plötzlichen Herztodes zu rechnen ist. In der klinischen Phase ist der Patient dann wirklich und offensichtlich krank. Dabei können Leistungsschwäche, Husten, Atemnot, Bewusstlosigkeitsanfälle (Synkopen) oder plötzlicher Herztod auftreten.

Diagnose:

Es ist sinnvoll, bei jenen Rassen, welche zur dilatativen Kardiomyopathie neigen, regelmäßige Untersuchungen durchzuführen, um die Erkrankung möglichst früh zu erkennen und evtl. eine Therapie einzuleiten. Dafür sind eine Herzultraschalluntersuchung und – rasseabhängig – ein 24-Stunden-EKG nötig. Eine sekundäre dilatative Kardiomyopathie sollte ausgeschlossen werden, die Rassezugehörigkeit ist dabei entscheidend. Gegebenenfalls wird der Taurinspiegel bzw. der Schilddrüsenwert im Blut untersucht.

Wenn die Dilatative Kardiomyopathie zum Lungenödem geführt hat, ist dies in der Röntgenuntersuchung zu erkennen.

Trikuspidalklappendysplasie beim Hund

Röntgenbild des Brustkorbs eines Dobermanns mit DCM und Lungenödem

Deutlich zu sehen ist die reduzierte Kontraktionsleistung des Herzmuskels.

Therapie:

Die Therapie richtet sich nach der Form der Erkrankung. Bei der elektrischen Verlaufsform steht der Einsatz von rhythmusstabilisierenden Medikamenten im Vordergrund, bei der Stauungsform wird heutzutage relativ früh im Verlauf ein Medikament eingesetzt, welches der aktuellen Studienlage zufolge die Lebenserwartung steigern soll. Carnitin, Taurin und Magnesium können zusätzlich verabreicht werden, darüber wird in der Regel im Einzelfall entschieden. Im Falle eines Linksherzversagens (“Wasser in der Lunge”) müssen Entwässerungsmedikamente eingesetzt werden.