Herzoperationen, Operationen an den herznahen Gefäßen

Persistierender Ductus Arteriosus (PDA) beim Hund und bei der Katze:
Informationen zur Erkrankung bzw. zu Verlauf und Diagnose sind im Kapitel „Herzerkrankungen beim Hund“ enthalten.
Grundsätzlich gibt es zwei geeignete Verfahren, einen PDA zu verschließen:

  • mittels Herzkathetereingriff
  • mittels chirurgischem Verschluss

Beide Methoden sind mit einem vergleichbaren, aber sehr geringen Risiko verbunden.

Beim Verschluss mittels Herzkatheter wird ein Implantat in das Lumen des Ductus Arteriosus eingebracht, das den Blutfluss durch das Gefäß unterbindet. Der Eingriff erfolgt in der Regel über die Innenschenkel-Arterie.

Beim chirurgischen Verschluss wird der Brustkorb vorsichtig zwischen den Rippen eröffnet (es wird kein Knochen durchtrennt!). Das Gefäß wird freigelegt und mit zwei Schlingen verschlossen. Zusätzlich zur Allgemeinanästhesie werden die Zwischenrippennerven betäubt, sodass die Schmerzhaftigkeit nach dem Eingriff auf ein Minimum beschränkt ist. Die Patienten können in der Regel am nächsten Tag nach Hause und dürfen nach 10 Tagen wieder herumtoben. Vorteil der chirurgischen Methode ist der sichere und permanente Verschluss des Gefäßes. Aus diesem Grund wird in den meisten Fällen dem chirurgischen PDA-Verschluss an unserer Klinik der Vorzug gegeben.

Herzerkrankungen Tierklinik Sattledt

Chirurgischer Verschluss eines PDA

Herzbeutelfenestrierung, Herzbeutelentfernung

Ein Herzbeutelerguss führt beim Hund häufig zur Tamponade: Durch eine Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Herzbeutels wird das Herz komprimiert, die Folge sind Bauchhöhlenerguss und Kreislaufprobleme bis hin zum Schock. Ursächlich kommen in erster Linie Tumore, ansonsten unter anderem auch Entzündungen und Infektionen in Betracht. Manchmal kann keine Ursache gefunden werden, dann spricht man vom sog. Idiopathischen Herzbeutelerguss.

Gründe, weshalb eine Herzbeutelfenestrierung bzw. –entfernung durchzuführen sind:

  • zur symptomatischen (palliativen) Behandlung eines Herztumors
  • zu dauerhaften Behandlung eines idiopathischen Ergusses (ohne erkennbare Ursache)
  • um Gewebeproben vom Herzbeutel für die pathologische Untersuchung zu erhalten
  • zur Behandlung einer restriktiven Perikarditis (chronische Entzündung des Herzbeutels)

Während eine Herzbeutelentfernung am offenen Brustkorb durchgeführt wird, kann die Herzbeutelfenestrierung minimalinvasiv erfolgen. Dabei werden durch drei kleine Schnitte eine Kameraoptik und zwei Instrumente in den Brustkorb eingeführt. Die Bewegungen der Instrumente werden über einen Monitor gesteuert. Nachteil der Fenestrierung ist, dass das Ausmaß der Herzbeuteleröffnung manchmal zu gering ist und es nach Verklebungen erneut zum Herzbeutelerguss kommen kann.

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Endoskopische Herzbeutelfenestrierung

Operationen am offenen Herz

Manche Herzerkrankungen können mittels eines chirurgischen Eingriffs verbessert oder behoben werden. Dazu zählen:

  • angeborene Herzerkrankungen, welche nicht mittels Katheterintervention behandelt werden können
  • Erkrankungen der Herzklappen, insbesondere der Mitralklappe

Operationen am offenen Herz können auf zwei unterschiedliche Arten durchgeführt werden:

  • „Venous inflow occlusion“: Dabei werden die zuführenden Blutgefäße für kurze Zeit abgebunden. Dadurch können sehr rasche Eingriffe am Herz in Blutleere erfolgen.
    • Vorteile:
      • keine Herz-Lungenmaschine nötig
      • relativ kostengünstig
    • Nachteile:
      • Nur wenige Operationen können mit diesem Verfahren durchgeführt werden.
      • Der venöse Zufluss kann nur 2-3x hintereinander unterbunden werden, da sonst mit schwerwiegenden Komplikationen gerechnet werden muss.
      • enormer Zeitdruck während der Operation
    • Indikationen sind: Pulmonalstenose, manche Tumore des Herzes, Erweiterung von Engstellen im Herzvorhof.
  • Eingriffe mittels extrakorporalen Kreislaufes: Dabei wird die Funktion von Herz und Lunge vorübergehend durch eine Maschine (Herz-Lungenmaschine) übernommen. Dabei wird der Körper zumeist auf 28-30 Grad abgekühlt. In den meisten Fällen wird das Herz für die Dauer der Operation stillgelegt (sog. Kardioplegie).
    • Vorteile:
      • Methode der Wahl in der Humanmedizin, wesentlich besser kontrollierbar als „venous inflow occlusion“
      • Auch zeitaufwändigere Operationen können auf diese Art und Weise durchgeführt werden.
    • Nachteile:
      • wesentlich aufwändiger als „venous inflow occlusion“
      • sehr teuer
      • Patienten müssen mindestens 1 Woche stationär behandelt werden, davon mindestens 2 Tage auf der Intensivstation.
    • Indikationen sind: Mitralklappendegeneration (häufigste Herzerkankung des Hundes), angeborene Erkrankungen wie Vorhof- oder Kammerseptumdefekt, wenn diese nicht mittels Herzkatheter behandelt werden können.

Die chirurgische Behandlung der Mitralklappendegeneration (Degenerative Mitralklappenerkrankung, Endokardiose, Myxomatöse Mitralklappendegeneration) gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung. Während Medikamente nur Symptome lindern bzw. den Krankheitsverlauf verzögern können, setzt die Chirurgie an der Ursache an. Die krankhaft veränderte Klappe wird repariert (sog. Mitralklappen-Repair). Wir haben diese Operation als erste Klinik in Europa durchgeführt.

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Vorbereitung einer Herzoperation

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Operation am offenen Herz unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, der apparative Aufwand ist enorm, das notwendige Fachwissen auch.

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Operationen am offenen Herz bedeuten höchste Konzentration, manchmal über viele Stunden.

Henri drei Tage nach erfolgreicher Herzklappenoperation, er läuft schon wieder…